Polystyrol-Dämmstoff mit dem Flammschutzmittel HBCD

Flammschutzmittel in Polystyrol-Dämmstoffen, Entsorgung von EPS- und XPS-Dämmstoffen
(EPS = expandiertes Polystyrol, XPS = extrudiertes Polystyrol)

Aktuelle Änderung!

Letztes Update: 6.1.2017
Ab dem 28.12.2016 sind HBCD-haltige Polystyrol-Dämmstoffe befristet für 1 Jahr nicht mehr als gefährlicher Abfall einzustufen.

Mit einer Verordnung vom 22.12.2016 hat die Bundesregierung die Abfallverzeichnis-Verordnung geändert, veröffentlicht im Bundesanzeiger am 27.12.2016. Die neue Regelung trat am 28.12.2016 in Kraft. Damit werden HBCD-haltige Abfälle nicht als gefährlich eingestuft. Diese Einstufung ist bis zum 31.12.2017 begrenzt, danach sind HBCD-haltige Abfälle wieder als gefährlich eingestuft.

Abzuwarten bleibt, in wie weit durch behördliche Regelungen die durch die POP-Verordnung vorgeschriebene Vernichtung von HBCD festgelegt wird, bisher ist nur die thermische Behandlung als Verfahren in der Praxis eingeführt. Die Verbrennung in geeigneten Entsorgungsanlagen muss daher sichergestellt werden.

HBCD

Ab 30.09.2016 waren nach Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) Kunststoffe, die als Flammschutzmittel HexaBromCycloDodecan (HBCD oder auch HBCDD) in Konzentration über 1.000 mg/ kg enthalten als gefährlicher Abfall eingestuft. Diese Einstufung wurde jetzt für 1 Jahr ausgesetzt. Ab 31.12.2017 gilt wieder die Einstufung als gefährlicher Abfall, der bis zum 6.1.2017 hier aufgeführte Text wird dann wieder aktuell. Abzuwarten bleibt, in wie weit die bisher problematische Entsorgungslage sich dann entschärfen wird.

Dies betrifft neben Gebrauchsgegenständen wie Kunststoffgehäusen, z. B. von Elektrogeräten, auch flammschutzmittelenthaltenden Einrichtungstextilien in öffentlichen Gebäuden, z. B. Theatervorhänge. Der nach Menge größte Anteil an HBCD ist jedoch in vor allem in Polystyrol-Dämmstoffen eingesetzt worden. Betroffen sind Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS), aber auch Dämmplatten innerhalb von Gebäuden, z. B. Estrichdämmung, auch Deckenplatten etc.

Keine Schnelltests zur HBCD-Konzentrationen

Eine Sichtprüfung oder einfache Schnelltests, mit denen festgestellt werden kann, ob in einem solchen Dämmmaterial HBCD-Konzentrationen über 1.000 mg/ kg vorliegen, das Material somit ab 31.12.2017 wieder als gefährlicher Abfall eingestuft werden muss, gibt es bisher nicht. Abfälle von Polystyroldämmstoffen müssen daher dann bei Abbruch/ Umbau wieder möglichst vollständig eingesammelt, getrennt erfasst und dann ordnungsgemäß entsorgt werden. Nur wenn dann durch Analyse ein HBCD-Gehalt unter 1.000 mg/ kg nachgewiesen wird, liegt kein gefährlicher Abfall vor. Bis 31.12.2017 – unabhängig vom HBCD-Gehalt – das Material nicht als gefährlicher Abfall einzustufen, eine Analyse zur Einstufung ist daher für die Entsorgung nicht erforderlich. Die thermische Verwertung des Abfalles muss aufgrund der POP-Verordnung aber sicher gestellt werden.

Entsorgungsnachweise für Polystyroldämmstoffe mit HBCD

Ab 31.12.2017 ist dann Polystyroldämmstoffen mit HBCD über 1.000 mg/ kg wieder der Abfallschlüsselnummer 17 06 03* zuzuordnen („anderes Dämmmaterial, das aus gefährlichen Stoffen besteht oder solche Stoffe enthält“). Entsorgungsnachweise sind zu führen, soweit es sich nicht um Kleinmengen unter 2 Tonnen/ Jahr handelt. Für Bauvorhaben, bei denen erst nach 31.12.2017 Polystyrol-Dämmstoffe anfallen, ist eine Analytik im Rahmen einer Abbruch/ Umbauplanung aber auf jeden Fall sinnvoll, um rechtzeitig den Entsorgungsweg festzulegen.

Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoffen

Die Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoffen ist ab 31.12.2017 dann wieder nur noch in Anlagen möglich, die Abfälle unter dem Abfallschlüssel als gefährlicher Abfall annehmen dürfen. Dies sind bisher nur spezielle Sonderabfallverbrennungsanlagen (thermische Verwertung/ Beseitigung), welche die Genehmigung für die Beseitigung solcher Abfälle haben. Ob bis zum 01.01.2017 durch behördliche Festlegungen das Erfassen und Entsorgen der Dämmstoffe dann anders als bisher geregelt sein wird und auch eine größere Anzahl von Anlagen als bisher zur Verfügung steht, bleibt abzuwarten.

Die zukünftigen Kosten für die thermische Beseitigung in geeigneten Abfallverbrennungsanlagen sind daher derzeit nicht abschätzbar. Zumindest für die Zeit bis zum 31.12.2017 sollten die momentan stark gestiegenen Entsorgungskosten aber wieder deutlich sinken. Für die weitere Zukunft ist aber keine Vorhersage möglich.

Mit HBCD-haltigen EPS oder XPS-Dämmstoffen muss bis mindestens zum Einbaujahr 2014 gerechnet werden. In Deutschland haben die Hersteller ab 2014 offenbar schon weitgehend auf HBCD als Flammschutzmittel verzichtet. Dämmstoffe, die das Umweltzeichen Blauer Engel tragen, enthalten grundsätzlich kein HBCD (s. UBA-Info im Link unten).

Wichtig für Hausbesitzer

Für alle „Häuslebauer“ und Hausbesitzer ist angeraten, Unterlagen zu eingebauten, nicht HBCD-haltigen Polystyrol-Dämmstoffen zu dokumentieren, da sonst später bei Umbau/ Abbruch zumindest mit Kosten für die Analytik zu rechnen ist. Zudem ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der zumindest derzeit hohen Entsorgungskosten für HBCD-haltige Abfälle HBCD-haltige Dämmstoffe eine Wertminderung von Gebäuden darstellen können.

Literatur / Links

Umweltbundesamt: Wie werden HBCD-haltige Dämmstoffe abfallrechtlich eingestuft?
Umweltbundesamt: Häufig gestellte Fragen und Antworten zu Hexabromcyclododecan (HBCD)

Stellenausschreibung
Laborant/in unbefristet, mind. 30 Std./Woche


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