Fernsehbericht über Mineralfaserzusätze (Woolit) in Ziegel

Wir haben schon verschiedentlich Ziegel mit Woolit hinsichtlich möglicherweise im Ziegel vorhandener Mineralfaserreste untersucht.
Durch das Brennen verändern sich die Künstlichen Mineralfasern, der Brennvorgang bei 900° bis 1000°C dauert z.T. bis zu 20 h. Nach langem Suchen sind bei Proben derartiger Ziegel im Mikroskop zwar einzelne faserartige Strukturen in "Nestern" zu erkennen, die Fasern haben sich aber stark verändert und sind nicht mehr als normale Künstliche Mineralfasern anzusprechen. Auch Asbestfasern würden sich bei einem derartigen Brennvorgang durch das Entweichen von Wasser in ihrer Kristallstruktur so weit verändern, dass es sich nicht mehr um Asbest handelt. Dass in solchen Faseragglomeraten bzw. Nestern einzelne Mineralfasern durch die Isolationswirkung den gesamten Brennvorgang so weit überleben können, dass sie in ihrer krebserzeugenden Wirkung erhalten bleiben ist äußerst unwahrscheinlich. Die Aussagen zu in den Ziegeln vorhandenen Künstlichen Mineralfasern in dem Fernsehbericht sind m.E. nach stark überzeichnet.

Beim Anbohren solcher Ziegel oder auch beim Schlitzen von Kabelführungen in die Ziegel ist zumindest bei den von uns untersuchten Materialien jedenfalls nicht mit nennenswert höheren Mineralfaserkonzentrationen im Raum zu rechnen. Die auch mit bloßem Auge erkennbaren "Nester" zerfallen bei mechanischer Bearbeitung schnell zu Staubpartikeln und dort eventuell noch vorhandene einzelne Faserreste stellen für die Gebäudenutzer sicher keine relevante Gefährdung dar, vor allem wenn man davon ausgeht, dass - unabhängig von Mineralfaserstäuben - unkontrollierte Staubfreisetzung in Wohnungen verhindert werden sollte und immer die angrenzende Wohnumgebung geschützt werden sollte. Der allgemeine Staubgrenzwert muss bei solchen Arbeiten ja so wie so auch eingehalten werden, z.B. durch Absaugung von Stäuben oder Abtrennen von Arbeitsbereichen. Im Vergleich mit anderen Risiken von Mineralfaserfreisetzungen in Altgebäuden halte ich das Risiko für vernachlässigbar. Hinsichtlich der Künstlichen Mineralfasern ist daher m.E. nach kein Anlass, sich Sorgen bei üblichen Handwerksarbeiten im Gebäude zu machen. Ob der Wert des Gebäudes anders einzuschätzen ist, da evtl. auch potentielle Käufer sich in Zukunft dazu Gedanken machen werden, ist eine andere Sache.

Ob andere Inhaltsstoffe in Woolit, die über illegale Abfallentsorgung dort ja angeblich hineingekommen sein könnten eine Gefährdung darstellen ist schwerer abzuschätzen. Für die Nutzer von Gebäude stellt es keine Gefährdung dar, wenn dort eventuell mit Königswasseraufschluss nicht nachweisbare Schwermetalle vorhanden sind (eine Ausnahme wären hier radioaktive Abfälle, dies wäre aber zu überprüfen, ob mit solchen Abfällen zu rechnen ist). Bei staubfreisetzenden Arbeiten könnten schwermetallhaltige Stäube verteilt werden. Ob damit eine Gesundheitsgefährung verbunden sein kann hängt von der Größenordnung einer Kontamination ab. Wenn bekannt ist, mit welchen Mengen an schwermetallhaltigen Abfällen möglicherweise zu rechnen ist, kann eine Abschätzung vorgenommen werden. Zu Panik besteht aber kein Anlass.

Bei Schwermetallen ist z.B. zu berücksichtigen, dass auch in der "normalen" Wohnumwelt durchaus in geringen Konzentrationen Schwermetalle vorhanden sind und z.B. beim Abschleifen alter Farben und Lacke mit beispielsweise Bleiweiß o.a. im Vergleich zur einer Staubfreisetzung aus Ziegeln eine weitaus höhere Schwermetallbelastungen resultieren kann. Aber welcher Heimwerker untersucht schon seine Fenster oder Türen oder alte Lackflächen auf Metallen vor Abschleifen?

Fazit

Durch das Brennen sind die Zusätze von Mineralfasern zu Ziegeln nicht mehr als Problem für die Nutzung von Gebäuden, die aus derartigen Ziegeln errichtet wurden anzusehen. Falls überhaupt Fasern das Brennen überleben können, was bei der langen Verweildauer bei den hohen Temperaturen äußerst unwahrscheinlich ist, stellt dies für die Nutzung und auch für Umbau derartiger Gebäude sicher keine Gefährdung dar.

Auch für eventuell vorhandene Schwermetallzusätze ist eine solche Gefährdung als sehr unwahrscheinlich anzusehen. Leider liegen uns keine Angaben zu möglichen Verunreinigungen durch schwermetallhaltiges Woolit in Ziegeln oder Analysenergebnisse vor.

Anders sieht die Einschätzung für das Material Woolit selbst aus. Hier wurde Ton mit dem Fasermaterial gemischt, das eingesetzte Fasermaterial ist offensichtlich als krebserzeugend einzustufen, die daraus hergestellte Mischung (Zubereitung im Sinne des Chemikaliengesetzes) dann ebenfalls, z.T. war der Anteil von Mineralfasern an der Masse dabei offenbar sehr hoch und das Material schlecht durchmischt. Ein Hantieren mit dem Material erfordert daher auf jeden Fall Schutzbedingungen wie bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden Fasermaterialien vorgesehen.

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Mineralfaserzusätze (Woolit) in Ziegel
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